Startschuss für Waben-Fabrik

Wer hat’s erfunden? Die Bienen. Seit Jahrhunderten ist bekannt, dass Honigwaben aufgrund ihrer Geometrie extrem stabil und leicht sind. Kein Wunder, dass jene Wabenstruktur, in Werkstoffen nachempfunden, schon lange in der Industrie eingesetzt wird. Vor allem dort, wo es auf geringes Gewicht und Steifigkeit ankommt, wie etwa im Flugzeugbau oder neueren Datums auch in den Rotorblättern von Windkraftanlagen.

Seit Montag ist Halle Produktionsstandort solcher zukunftsweisenden thermoplastischen Wabenkern-Materialien. Und das im großen Maßstab. Rund 1,5 Millionen Euro hat die ThermHex Waben GmbH an ihrem neuen Firmensitz in der Merseburger Straße investiert, der von Landeswirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) am Montag eingeweiht wird.

Wie Geschäftsführer Jochen Pflug erklärt, sollen hier jährlich rund eine Million Quadratmeter des Wabenmaterials produziert werden, sechs Arbeitsplätze wurden geschaffen. “Entgegen herkömmlicher Verfahren haben wir die Technologie der Wabenkern-Herstellung deutlich verbessert”, so der 41-jährige Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik. An der belgischen Universität Leuven, wo er Faser- und Verbundtechnologie studierte, beschäftigte er sich intensiv mit dieser Materie.

Das Erstaunliche: “Die Grundlagen der Technologie, an die Pflug jetzt anknüpft, wurden ursprünglich in Halle entwickelt – von der Luxus-Papierwarenfabrik “Heilbrun & Pinner”. Das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in der Geiststraße hatte, erschuf 1901 das Verfahren zur Herstellung dekorativen Wabenpapiers, berichtet er.

Die Produkte der Hallenser, unter anderem dekorative Karten, wurden in die USA und nach Großbritannien exportiert. Jene Patente, welche die Innovationskraft der Industrie an der Saale belegten, habe er während einer Forschungsarbeit an der belgischen Uni wiederentdeckt.

“Unser Ansatz war es, diese Technologie aus der Verpackungsindustrie mit dem herkömmlichen Verfahren zur Herstellung von Wabenkernen sinnvoll zu kombinieren”, so der Ingenieur. Im Ergebnis könne man jetzt Kunststoffplatten auch in der Verpackungs-Industrie Material und Energie sparender und in höherer Geschwindigkeit als Leichtbaumaterial produzieren. Pflug spricht von rund 30 Prozent weniger Materialverbrauch gegenüber den herkömmlichen Produktionsmethoden. Die Marktführer für Doppelstegplatten aus Japan und Italien sind bereits Lizenznehmer der ThermHex Wabentechnologie. “Diese Struktur ermöglicht einen minimalen Materialeinsatz. Dies ist ein Kostenvorteil und schont unsere Ressourcen”, so der Materialwissenschaftler. Durch günstigere Herstellungskosten wird das Material immer interessanter für neue Bereiche, etwa für die Möbel-Industrie. Und: “Die thermoplastischen Wabenkerne sind vollständig recycelbar”, weist Pflug auf den ökologische Aspekt hin.

Bereits seit 2005 ist Pflug Geschäftsführer der belgischen Firma EconCore, einer Aktiengesellschaft, die sich ausschließlich mit Forschung und Entwicklung beschäftigt. Die Hauptanteile dieser Gesellschaft hält die “EconHP Holding GmbH” aus Halle. Dank der Beratung des Hochschulgründernetzwerkes “Univations” und der positiv beschiedenen Förderanträge – 50 Prozent der Investition werden vom Land getragen – hat sich Jochen Pflug entschieden, künftig in Halle zu produzieren.

Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor war auch die Liebe. “Zufällig kommt auch meine Frau aus Halle”, verrät der Geschäftsführer.

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By | 2018-02-26T10:27:52+00:00 May 16th, 2010|Events, News, Press / Publications|